M7 - Pisa - Bleibt die Bildung in Deutschland auf der Strecke?
PISA – Bleibt die Bildung in Deutschland auf der Strecke?
Die neuen PISA-Ergebnisse sind da. Und sie sind ein Weckruf.
Deutschland erreicht 2025 in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften jeweils seine niedrigsten PISA-Werte seit Beginn der Erhebungen.
Nur 66 Prozent der 15-Jährigen erreichen in Mathematik mindestens die grundlegende Kompetenzstufe. Beim Lesen sind es 68 Prozent, in den Naturwissenschaften 73 Prozent.
Quelle: OECD, PISA 2025 Results, Volume I – Country Note Germany, 8. September 2026
Das ist mehr als eine Schulstatistik.
Es geht um die Frage, wie gut Deutschland seine Kinder auf die Zukunft vorbereitet.
Die Zukunft eines Landes sitzt im Klassenzimmer und spielt im Kindergarten
Die Zukunft eines Landes entsteht nicht erst in Parlamenten, Ministerien oder Vorstandsetagen.
Sie beginnt viel früher.
Im Kindergarten. Im Klassenzimmer. Beim Lesenlernen, Rechnen, Fragenstellen und Entdecken.
Dort entstehen die Fähigkeiten, die Deutschland später dringend braucht:
- Fachkräfte
- Wissenschaftler
- Ingenieure
- Handwerker
- Unternehmer
- Lehrer
Wer Bildung vernachlässigt, spart deshalb an der Zukunft.
PISA zeigt ein strukturelles Problem
Besonders aufmerksam machen sollte uns der Zusammenhang zwischen Bildung und sozialer Herkunft.
In den Naturwissenschaften beträgt der Leistungsunterschied zwischen den sozial privilegiertesten und den am stärksten benachteiligten Schülerinnen und Schülern in Deutschland 125 PISA-Punkte.
Im OECD-Durchschnitt sind es 85 Punkte.
Quelle: OECD, PISA 2025 Results, Volume I – Country Note Germany, 8. September 2026
Damit wird eine entscheidende Frage sichtbar:
Wie viele Talente bleiben möglicherweise hinter ihren Möglichkeiten zurück, weil ihre Chancen zu stark davon abhängen, wo und unter welchen Bedingungen sie aufwachsen?
Gerade angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels kann Deutschland sich das langfristig kaum leisten.
Denn eine alternde Gesellschaft braucht umso mehr gut ausgebildete Menschen, die Verantwortung übernehmen, Unternehmen entwickeln, Innovationen vorantreiben und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhalten.
Und dann sind da die Milliarden
Deutschland steht gleichzeitig vor gewaltigen finanziellen Entscheidungen.
Neue Investitionen in Infrastruktur, steigende Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit sowie weitere staatliche Aufgaben verlangen erhebliche finanzielle Mittel.
Für 2026 sind allein für Verteidigung und Sicherheit 100,9 Milliarden Euro veranschlagt. Das sind 28,7 Milliarden Euro mehr als im Ist des Jahres 2025.
Quelle: Bundesministerium der Finanzen, Sollbericht 2026 – Bundeshaushalt 2026, 20. Februar 2026
Angesichts der veränderten Sicherheitslage ist das nachvollziehbar.
Doch damit stellt sich eine grundsätzliche Frage:
Was verstehen wir eigentlich unter einer Investition in die Zukunft?
Wenn wir bereit sind, gewaltige Summen für die Zukunft Deutschlands bereitzustellen und teilweise auch über neue Schulden zu finanzieren, sollten wir ebenso darüber sprechen, wie viel davon in die Menschen fließt, die diese Zukunft später gestalten sollen.
Verteidigung ist wichtig. Bildung auch.
Es geht darum, zwei Dinge zusammenzudenken.
Deutschland muss sich verteidigen können. Aber ein Land ist nicht nur militärisch stark?
Es ist auch stark, wenn seine Kinder lesen, rechnen und Zusammenhänge verstehen können.
- Wenn junge Menschen eine gute Ausbildung erhalten.
- Wenn Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter finden.
- Wenn Forschung und Innovation funktionieren.
- Wenn Menschen in der Lage sind, neue Technologien zu verstehen und verantwortungsvoll einzusetzen.
Bildung ist deshalb keine Ausgabe unter vielen. Sie ist eine Investition in die Leistungsfähigkeit Deutschlands.
Schulden für die Zukunft?
Neue Schulden sind nicht automatisch schlecht. Entscheidend ist, wofür sie eingesetzt werden.
Wenn damit Brücken repariert, Schienen modernisiert, Stromnetze ausgebaut oder Schulen verbessert werden, können daraus langfristige Vorteile entstehen.
Doch eine Investition in Beton allein reicht nicht.
- Was nützt uns die modernste Infrastruktur, wenn uns in 20 Jahren die Menschen fehlen, die sie entwickeln, bauen und betreiben?
- Was nützt uns wirtschaftliche Stärke, wenn immer mehr Jugendliche die Schule mit grundlegenden Bildungsdefiziten verlassen?
- Was nützt uns technologische Leistungsfähigkeit, wenn wir nicht genügend junge Menschen dafür qualifizieren?
Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen, dass die Herausforderungen über einzelne Jahrgänge hinausreichen. Die OECD stellt fest, dass die Ergebnisse 2025 in Deutschland in allen drei Bereichen die niedrigsten jemals gemessenen Werte sind und damit einen negativen Trend fortsetzen, der sich über das vergangene Jahrzehnt erstreckt.
Quelle: OECD, PISA 2025 Results, Volume I – Country Note Germany, 8. September 2026
Die eigentliche Frage
Deshalb sollten wir die neue PISA-Studie nicht nach ein paar Tagen wieder vergessen. Sie sollte Anlass sein, unsere Prioritäten zu hinterfragen. Deutschland wird in den kommenden Jahren sehr viel Geld ausgeben und dafür teilweise auch neue Schulden aufnehmen.
Dann sollten wir genau hinschauen, wofür.
Für Verteidigung? - Ja, wenn es notwendig ist.
Für Infrastruktur? - Unbedingt, wenn sie unser Land langfristig stärkt.
Aber eben auch für:
- Kindergärten
- Schulen
- Lehrer
- Ausbildung
- Forschung
- Bildung und Qualifikation
Denn die wichtigste Ressource Deutschlands liegt nicht im Boden.
Sie sitzt im Klassenzimmer und spielt im Kindergarten.
Und genau deshalb sollten wir uns angesichts der neuen PISA-Ergebnisse fragen:
Investieren wir wirklich genug in die Zukunft, von der wir ständig sprechen?
Quellen
OECD – PISA 2025 Results, Germany
Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD):
PISA 2025 Results, Volume I – Country Note Germany, veröffentlicht am 8. September 2026.
Die Quelle enthält die PISA-Ergebnisse Deutschlands für Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften sowie die Entwicklung der Ergebnisse und die sozialen Leistungsunterschiede.
Quelle: OECD Website: www.oecd.org
OECD – PISA 2025 Ergebnisse
Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD):
PISA 2025 Results, Volume I, deutsche Ausgabe bzw. Zusammenfassung der PISA-Ergebnisse.
Quelle: OECD Website: www.oecd.org
Bundesministerium der Finanzen – Sollbericht 2026
Bundesministerium der Finanzen:
Sollbericht 2026 – Bundeshaushalt 2026, veröffentlicht am 20. Februar 2026.
Der Bericht weist für 2026 insgesamt 100,9 Milliarden Euro für Verteidigung und Sicherheit aus.
Quelle: Bundesministerium der Finanzen Website: www.bundesfinanzministerium.de
Quellen zusammengefasst
OECD/PISA: Ergebnisse Deutschlands in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften.
OECD/PISA: Soziale Unterschiede bei den Bildungsergebnissen und langfristige Entwicklung.
Bundesministerium der Finanzen: Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit im Bundeshaushalt 2026.
Die konkreten Zahlen und wesentlichen Fakten dieses Beitrags basieren damit auf offiziellen Primärquellen.
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